Der Beginn eines italienischen Abenteuers

Ich kam Mitte Mai in Catania an, um dort meinen Italienisch-Sprachkurs zu beginnen, noch bevor die Temperaturen zu sehr in die Höhe klettern. Ich bin mit meinem Motorrad von Shropshire in Großbritannien mit der Fähre nach Dieppe und dann von Besancon über die französisch-italienische Grenze nach Genua gefahren, wo ich dann wiederum die Fähre nach Palermo genommen habe: für diese Reise habe ich insgesamt 5 Tage gebraucht. Ich vermeide es nach Möglichkeit, auf Autobahnen zu fahren: auf Landstraßen ist man langsamer unterwegs und es ist deutlich anstrengender, aber zugleich auch viel spannender, da man so viel mehr sieht und interessante Leute kennenlernt. Nach meiner Ankunft in Palermo fuhr ich quer durch Sizilien nach Ragusa, wo ich ein paar Tage am Bauernhof von Freunden verbrachte.

Willkommen in Catania

Pünktlich um 17 Uhr, exakt zur vereinbarten Zeit, kam ich bei Margherita und Mimmo (meinen Gastgebern) in Catania an und Margherita erwartete mich bereits. Die beiden zeigten mir die Garage, in der ich mein Motorrad abstellen konnte, und führten mich zu meinem geräumigen Zimmer direkt darüber. An diesem Abend verbrachte ich noch anderthalb Stunden mit ihnen, und Margherita erzählte mir alles über ihren Agrarbetrieb und die Produkte, die sie auf den Feldern anbauten. Es war mein erstes Beisammensein mit einem längeren Gespräch auf Italienisch und ich ging an diesem Abend völlig erschöpft von all der sprachlichen Konzentration ins Bett. Dennoch war es eine ausgezeichnete Vorbereitung auf drei Wochen Italienischunterricht und ich habe es genossen, jeden Morgen beim Frühstück mit meinen neuen Freunden zu sprechen: Margherita hatte immer viel zu erzählen und ich kann dieses völlige Eintauchen in die italienische Sprachwelt nur wärmstens empfehlen!

Ein holpriger Start

Leider habe ich mir einen Virus eingefangen, wahrscheinlich ein paar Tage zuvor auf der Fähre; so wurde ich in der Nacht ziemlich krank und blieb es auch ein paar Tage lang. Margherita versorgte mich dankenswerterweise mit einigen grundlegenden Dingen, damit ich mich besser fühlte und wieder auf die Beine kam, und ich war, wenn auch noch ein wenig geschwächt, am Montag bereit für den Italienischkurs im Giga International House.

Bereit für den Italienischunterricht an der Sprachschule Giga IH Catania
Bereit für den Italienischunterricht an der Sprachschule Giga IH Catania

Sich in Catania fortbewegen

Ich war im Vorjahr schon ein paar Mal in Catania und kannte mich daher bereits ganz gut in der Stadt aus. Ich musste aber feststellen, dass mein Körper ziemlich überhitzen konnte, wenn ich bergauf ging, um pünktlich in die Schule zu gelangen, also beschloss ich, ab sofort möglichst das Motorrad für meinen Schulweg zu nutzen. Der Verkehr in Catania ist definitiv nichts für schwache Nerven, aber meine Erfahrung als ehemaliger Fahrradkurier in London kam mir zweifelsohne zugute. Auch wenn etliche Leute das Gegenteil behaupten, ehrlich gesagt ist der Verkehr nicht so schlimm wie in vielen anderen Städten, in denen ich bereits gelebt oder die ich besucht habe, aber man muss schon ordentlich aufpassen, denn es kann ziemlich gesetzlos und ambitioniert zur Sache gehen. M ein Überlebensratschlag: denke nicht einmal daran, dich mit den Einheimischen zu messen!

Ins Italienischlernen eintauchen

In den ersten zwei Wochen war ich mit einem Studenten aus Griechenland in der Klasse, der Italienisch für seinen Job als Flugbegleiter lernte, und in der letzten Woche besuchte ich den Kurs gemeinsam mit einer amerikanischen Akademikerin, die in Sizilien bei der Familie ihres Vaters lebte, und einem Niederländer im Halbruhestand. Außerdem habe ich Brasilianer, Deutsche und einen kenianischen Priester kennengelernt, die alle unterschiedliche Sprachlevels hatten und hier lernten, und mit denen ich mich außerhalb des Unterrichts auf Italienisch unterhalten habe: Wir haben versucht, nach dem Verlassen des Klassenzimmers so viel wie möglich Italienisch zu sprechen, was wirklich hilft um rasche Lernfortschritte zu machen. Wir alle lernten seit einiger Zeit Italienisch mit verschiedenen Methoden (einschließlich Online-Apps) und sind hierhergekommen, um unser Selbstvertrauen insbesondere beim Sprechen und Hören zu stärken. Unsere Lehrer, die jede Woche wechselten, waren sehr geduldig und haben nur auf Italienisch unterrichtet. Es kann manchmal harte Arbeit sein, aber zumindest für mich sind die Fortschritte nach drei Wochen offensichtlich, und letztes Wochenende hat mir sogar ein Bikerkollege in Randazzo gesagt, dass ich gut Italienisch spreche, ein Kompliment, das ich wirklich nicht erwartet habe!

Erkundungstouren an den Wochenenden

Am folgenden Wochenende fuhr ich mit dem Motorrad los, um den Ätna zu erkunden. Es fing an zu regnen und als ich Nicolosi erreicht habe, war alles triefend nass. Genauer gesagt wurden die Straßen extrem rutschig und ziemlich gefährlich für ein Bike, insbesondere die alten Steinpflaster in den Städten, also beschloss ich, umzukehren, in die Wohnung zurückzugehen und es ein anderes Mal neuerlich zu versuchen. So genoss ich stattdessen den Samstagsmarkt in der Stadt und erkundete ein weiteres Stückchen von Catania.

Am folgenden Montag fuhr ich mit dem Motorrad die Küste entlang nach Taormina, eine wirklich hübsche und interessante Stadt, aber von Touristen überlaufen: sogar ein Kaffee kostet dort doppelt so viel wie in Catania und in den Straßen findet man schicke Läden wie Louis Vuitton. Definitiv nichts für mich, aber immerhin habe ich es gesehen.

Am folgenden Wochenende fuhr ich wieder los, um den Ätna und den Nordosten der Insel zu erkunden, der schön, grün und ganz anders ist als die strahlend weiße, trockene Kalksteinlandschaft von Ragusa und Modica, die ich bereits kenne. Meine Versuche, direkt nach Catania zurückzukehren, wurden allerdings durch eine gesperrte Straße vereitelt. Anstatt den gleichen Weg zurück zu nehmen, versuchte ich nun, eine Route durch ein schlecht erschlossenes Gebiet über die Berge zu finden. Also nutzte ich die Navi-App auf meinem Handy, um nach Taormina zu gelangen. Ich fand tatsächlich einen Weg, musste aber rund 15 Kilometer im Gelände auf einer holprigen Bergstraße zurücklegen, bevor ich wieder zurück zu den „richtigen“, asphaltierte Straßen fand: das war für mich eine wichtige Lektion über die Verwendung von Handy-Apps zur Navigation in Sizilien! Es ist eine persönliche Entscheidung, ob man sie nützt oder nicht: schlussendlich hat alles gut geklappt und ich hatte jede Menge Spaß, während ich mich konstant gefragt habe, ob ich jemals wieder in die Zivilisation vordringen würde; aber man muss bei schwierigen Fahrbedingungen einfach nur selbstbewusst agieren.

Fazit

Während meiner drei Wochen standen diverse Veranstaltungen am Programm, die entweder von Alessandro organisiert oder empfohlen wurden. Wir hatten beispielsweise einen Caponata-Kochkurs bei meinem Gastgeber Mimmo, den ich allen Feinschmeckern wärmstens empfehlen kann.

Kochkurs
Kochkurs

Ich für meinen Teil habe den Besuch verschiedener klassischer Konzerte besonders genossen: ein Symphoniekonzert im Teatro Massimo (auf jeden Fall zu empfehlen, schon allein wegen der spektakulären Kulisse), eine innige Bellini-Hommage eines kleinen Kammerorchesters in einer Kirche und auch eine Aufführung von Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ von einer bunten Truppe Musikstudenten und Profis; lauter sehenswerte und in höchstem Maße unterhaltsame Veranstaltungen. Catania ist hinter all dem Lärm, Staub und Trubel definitiv eine Kulturstadt. Ich habe die Stadt sehr liebgewonnen und gestehe, dass ich diesen rauchenden Berg im Hintergrund aller Aktivitäten nun auch als „Mama Ätna“ betrachte. Ich glaube, ich bin möglicherweise ein bisschen heimisch geworden.

Mein Aufenthalt hier nähert sich seinem Ende und ich habe jetzt noch drei Wochen Zeit, um durch Italien, die Schweiz und Frankreich zurück nach Hause, nach Großbritannien, zu reisen. Ich werde in Neapel übernachten: das wird Straßenverkehr auf einem ganz anderen Level!

Andy, UK

Andy macht sich nach dem Erlebnis bei Giga IH Catania wieder auf den Weg zurück nach Großbritannien
Andy macht sich nach dem Erlebnis bei Giga IH Catania wieder auf den Weg zurück nach Großbritannien

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